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Fluktuation im Schichtbetrieb: Fluktuationsrate berechnen und mit dem Dienstplan senken

Jeder Abgang reißt eine Lücke in den Dienstplan, die das verbleibende Team auffängt – und genau das kann die nächste Kündigung auslösen. Dieser Beitrag zeigt, wie die Fluktuationsrate korrekt berechnet wird, welche Werte als Vergleich taugen und an welchen Stellen die Dienstplanung selbst ein Hebel gegen Fluktuation ist.

5. Oktober 2026·Von Dr. Katharina Müller
Das Wichtigste in Kürze
  • Fluktuation ist das Ausscheiden von Beschäftigten aus einem Betrieb, im engeren Sinn auf eigenen Wunsch. Die Fluktuationsrate setzt die Abgänge eines Zeitraums ins Verhältnis zum Personalbestand und wird in Prozent angegeben.
  • Gängigste Formel ist die BDA-Formel: Abgänge ÷ durchschnittlicher Personalbestand × 100, wobei der Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand gebildet wird. Die Schlüter-Formel teilt durch Anfangsbestand plus Zugänge, die einfache Formel durch den Anfangsbestand.
  • Für die Steuerung braucht es zwei Zusatzwerte: eine bereinigte Rate, die nur arbeitnehmerseitige Kündigungen zählt, und die Frühfluktuation, also Abgänge von Neueingestellten innerhalb der ersten sechs oder zwölf Monate.
  • Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit endete 2023 gut jedes dritte beendete Beschäftigungsverhältnis (36,1 Prozent) nach weniger als sechs Monaten, rund die Hälfte nach höchstens einem Jahr (IW-Report, April 2025).
  • Der Dienstplan ist ein direkter Hebel: In der bundesweiten Pflegebefragung „Ich pflege wieder, wenn …“ (2022) stuften 89,1 Prozent verbindliche Dienstpläne als wichtig oder ganz wichtig ein, 81,5 Prozent „kein Einspringen aus der Freizeit“ – deutlich mehr als „keine Nachtdienste“ (32,2 Prozent).

Wenn in einem Schichtbetrieb eine Fachkraft kündigt, ist die Stelle nicht nur im Organigramm offen. Ihre Dienste müssen ab dem Ende der Kündigungsfrist von anderen übernommen werden – über Mehrarbeit, Einspringen aus dem Frei oder umgeplante Wochenenden. Wer diese Last trägt, plant selbst häufiger einen Wechsel. Fluktuation ist deshalb im Schichtbetrieb keine reine Personalkennzahl, sondern auch eine Planungsgröße. Dieser Beitrag erklärt die Rechenwege mit einem durchgerechneten Beispiel, ordnet Vergleichswerte ein und zeigt, welche Ursachen sich im Dienstplan selbst beeinflussen lassen.

Was ist Fluktuation?

Fluktuation bezeichnet das Ausscheiden von Beschäftigten aus einem Betrieb. Das Gabler Wirtschaftslexikon fasst darunter die arbeitnehmerseitig initiierte Auflösung eines Arbeitsverhältnisses, erweitert um die natürliche Fluktuation durch Ruhestand und Tod. In der betrieblichen Praxis wird der Begriff oft weiter verwendet und schließt jede Beendigung ein. Für eine aussagekräftige Kennzahl ist deshalb zuerst festzulegen, welche Abgänge gezählt werden.

Abgangsarten und ihre Behandlung in der Fluktuationsrate
AbgangsartBeispielGesamtrateBereinigte Rate
Arbeitnehmerseitige KündigungEigenkündigung, Wechsel zu anderem Arbeitgeberzähltzählt
Aufhebungsvertrag auf Wunsch der beschäftigten Personvorzeitiger Wechsel im Einvernehmenzähltzählt
Arbeitgeberseitige Kündigungverhaltens- oder betriebsbedingte Kündigung, Kündigung in der Probezeitzähltzählt nicht
Ende einer BefristungSaisonkraft, Elternzeitvertretungzähltzählt nicht
Natürliche FluktuationRenteneintritt, Todzähltzählt nicht
Interne FluktuationWechsel in ein anderes Team oder an einen anderen Standortzählt nichtzählt nicht (auf Teamebene gesondert auswerten)

Eigene Einordnung der Redaktion. Ruhende Arbeitsverhältnisse, etwa in Elternzeit, sind keine Abgänge; sie wirken sich aber auf die tatsächlich verfügbare Besetzung aus und gehören in die Personalbedarfsrechnung.

Die bereinigte Rate ist für die Dienstplanung die wichtigere Zahl, weil sie nur Abgänge erfasst, die Beschäftigte selbst entschieden haben. Sie lässt sich über Arbeitsbedingungen beeinflussen – eine Rente nicht.

Wie berechnet man die Fluktuationsrate?

Die Fluktuationsrate ergibt sich aus der Zahl der Abgänge im Betrachtungszeitraum geteilt durch einen Personalbestand, multipliziert mit 100. Die Formeln unterscheiden sich nur im Nenner – und damit in der Frage, auf welche Belegschaft sich die Abgänge beziehen. Gezählt wird in Köpfen, nicht in Vollzeitäquivalenten, und der Zeitraum ist in der Regel ein Kalender- oder Geschäftsjahr.

Formeln zur Berechnung der Fluktuationsrate
FormelBerechnungStärkeSchwäche
BDA-FormelAbgänge ÷ durchschnittlicher Personalbestand × 100; Durchschnitt = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2verbreitet, gut vergleichbar über Jahreverdeckt viele Ein- und Austritte innerhalb des Jahres
Schlüter-FormelAbgänge ÷ (Anfangsbestand + Zugänge im Zeitraum) × 100berücksichtigt alle, die im Zeitraum hätten gehen könnenfällt bei vielen Neueinstellungen niedriger aus
Einfache FormelAbgänge ÷ Anfangsbestand × 100schnell gerechnetüberzeichnet in wachsenden Betrieben
FrühfluktuationAbgänge innerhalb von 6 (oder 12) Monaten nach Eintritt ÷ Eintritte derselben Kohorte × 100zeigt Probleme bei Auswahl und Einarbeitungbraucht Eintrittsdatum je Person und eine feste Kohorte

Die Bezeichnungen werden in der Fachliteratur nicht ganz einheitlich verwendet. Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt die BDA-Formel als mitarbeiterseitige Abgänge im Verhältnis zum durchschnittlichen Personalbestand. Wichtig ist, eine Formel und eine Abgangsdefinition festzulegen und beides beizubehalten.

Unterjährig lässt sich die Rate monatlich oder quartalsweise rechnen. Für eine Jahresbetrachtung werden die Abgänge der letzten zwölf Monate rollierend aufsummiert; eine Monatsrate mal zwölf zu nehmen, verzerrt das Ergebnis in Betrieben mit saisonalen Spitzen.

Rechenbeispiel: Fluktuationsrate für einen Schichtbetrieb

Ein Betrieb mit Drei-Schicht-Betrieb hat am 1. Januar 80 Beschäftigte. Im Laufe des Jahres kommen 18 neue hinzu, 16 scheiden aus, am 31. Dezember sind es 82. Von den 16 Abgängen sind 10 Eigenkündigungen, 3 arbeitgeberseitige Kündigungen, 2 Renteneintritte und 1 Befristungsende. Von den 18 Neueingestellten scheiden 6 innerhalb der ersten sechs Monate wieder aus.

Fluktuationsrate nach vier Rechenwegen (Beispielbetrieb)
KennzahlRechnungErgebnis
Durchschnittlicher Personalbestand(80 + 82) ÷ 281
Fluktuationsrate nach BDA (alle Abgänge)16 ÷ 81 × 10019,8 %
Bereinigte Rate nach BDA (nur Eigenkündigungen)10 ÷ 81 × 10012,3 %
Fluktuationsrate nach Schlüter16 ÷ (80 + 18) × 10016,3 %
Einfache Fluktuationsrate16 ÷ 80 × 10020,0 %
Frühfluktuation (6 Monate)6 ÷ 18 × 10033,3 %

Alle Werte sind Beispielannahmen, gerundet auf eine Nachkommastelle. Für die Frühfluktuation zählt die Eintrittskohorte: Wer im November eintritt, kann erst im Folgejahr ausgewertet werden.

Das Beispiel zeigt, warum eine einzelne Zahl wenig aussagt. Die Gesamtrate liegt je nach Formel zwischen 16,3 und 20,0 Prozent. Die bereinigte Rate von 12,3 Prozent wirkt unauffällig – doch jede dritte neu eingestellte Person ist nach einem halben Jahr wieder weg. In diesem Betrieb liegt das Problem nicht bei der Stammbelegschaft, sondern in den ersten Monaten: bei Einarbeitung, Teamaufnahme und den ersten Dienstplänen der Neuen.

Frühfluktuation: Warum die ersten Monate entscheiden

Frühfluktuation bezeichnet Abgänge kurz nach dem Eintritt, typischerweise in der Probezeit oder innerhalb der ersten sechs bis zwölf Monate. Die ersten sechs Monate sind auch rechtlich eine Schwelle: Während einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten kann das Arbeitsverhältnis beiderseits mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden (§ 622 Abs. 3 BGB), und der allgemeine Kündigungsschutz greift erst nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit (§ 1 Abs. 1 KSchG).

Wie verbreitet kurze Beschäftigungen sind, zeigt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit, ausgewertet im IW-Report „Arbeitsmotivation und Arbeitgeberbindung in Deutschland“ (April 2025): Von den 2023 beendeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen (ohne Auszubildende) hatten 36,1 Prozent weniger als sechs Monate gedauert, weitere 14,0 Prozent sechs bis unter zwölf Monate. Darin stecken auch Befristungen und Saisonarbeit – die Zahlen sind kein reiner Maßstab für Eigenkündigungen, zeigen aber, wie viele Arbeitsverhältnisse früh wieder enden.

Im Schichtbetrieb hat Frühfluktuation oft eine planerische Seite. Neue Beschäftigte bekommen nicht selten die Dienste, die übrig bleiben: Wochenenden, Randzeiten, Einspringen. Sie kennen die Tauschwege noch nicht, haben noch keine Wunschdienste eingetragen und werden nach kurzer Einarbeitung allein in schwierige Schichten geplant. Ein Einarbeitungsplan, der die ersten Wochen im Dienstplan sichtbar macht – feste Bezugsperson in denselben Schichten, Wochenenden und Nächte nicht über dem Teamschnitt, schrittweise Übernahme allein verantworteter Dienste –, setzt genau dort an.

Welche Fluktuationsrate ist normal?

Einen allgemeingültigen Richtwert gibt es nicht. Die einzige amtliche Vergleichsgröße für Deutschland ist der Fluktuationskoeffizient der Bundesagentur für Arbeit. Er setzt die Hälfte der Summe aller begonnenen und beendeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse eines Jahres ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bestand und schwankt seit Jahren um rund 30 Prozent. Weil er Zugänge und Abgänge gemeinsam erfasst und mehrfache Wechsel derselben Person mitzählt, ist er mit einer betrieblichen Abgangsquote nicht direkt vergleichbar. Er zeigt aber, wie unterschiedlich die Bewegung zwischen Branchen ausfällt.

Fluktuationskoeffizient nach Wirtschaftszweigen (Auswahl)
WirtschaftszweigFluktuationskoeffizient
Gastgewerbe62,1
Verkehr und Lagerei34,1
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz30,8
Insgesamt30,6
Heime und Sozialwesen26,5
Gesundheitswesen23,0
Verarbeitendes Gewerbe17,7
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung13,6

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (2024), dargestellt im IW-Report „Arbeitsmotivation und Arbeitgeberbindung in Deutschland“, Institut der deutschen Wirtschaft, April 2025, Abbildung 4-2. Ohne Beschäftigungsverhältnisse, die grundsätzlich befristet sind (Auszubildende, Praktika, Freiwilligendienste). Die Arbeitnehmerüberlassung (127) ist nicht aufgeführt.

Für den eigenen Betrieb sind zwei Vergleiche aussagekräftiger als jeder Branchenwert: der Vergleich mit den eigenen Vorjahren und der Vergleich zwischen eigenen Teams, Stationen oder Filialen mit ähnlichem Schichtsystem. Liegt ein Team deutlich über den anderen, ist das ein Anlass, dessen Dienstpläne der letzten Monate genauer anzusehen.

Was sind die Ursachen von Fluktuation im Schichtbetrieb?

Fluktuation hat selten einen einzigen Grund. Bezahlung, Führung, Teamklima und Entwicklungsmöglichkeiten wirken in jedem Betrieb. Im Schichtbetrieb kommt eine eigene Ursachengruppe hinzu, die sich aus der Arbeitszeitorganisation ergibt – und die sich im Dienstplan nachweisen lässt.

Belastbare Hinweise liefert die bundesweite Befragung „Ich pflege wieder, wenn …“ der Arbeitnehmerkammer Bremen, des Instituts Arbeit und Technik und der Arbeitskammer des Saarlandes (Kurzfassung April 2022, 12.684 auswertbare Antworten aus dem Herbst 2021). Gefragt wurden ausgestiegene und teilzeitbeschäftigte Pflegekräfte, unter welchen Bedingungen sie zurückkehren oder aufstocken würden. Im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stehen die planbaren und verlässlichen Arbeitszeiten ganz oben:

Wichtige Arbeitsbedingungen für Rückkehr oder Aufstockung (Pflege, Auswahl)
Arbeitsbedingungwichtig oder ganz wichtig
Verbindliche Dienstpläne89,1 %
Keine regelmäßig geplanten Überstunden87,8 %
Keine geteilten Dienste87,1 %
Pünktlich Feierabend machen können84,9 %
Kein Einspringen aus der Freizeit81,5 %
Individuell flexible Arbeitszeitgestaltung60,9 %
Keine Nachtdienste32,2 %
Keine Wochenenddienste25,5 %

Quelle: Auffenberg u. a., „Ich pflege wieder, wenn …“ – Potenzialanalyse zur Berufsrückkehr und Arbeitszeitaufstockung von Pflegefachkräften, Kurzfassung, Arbeitnehmerkammer Bremen, April 2022, Tabelle 8 (n = 6.793–7.410). Die Befragung betrifft Rückkehr und Aufstockung, nicht Kündigungsgründe; sie zeigt aber, welche Bedingungen Pflegekräfte im Beruf halten würden.

Bemerkenswert ist das Verhältnis der Werte: Nacht- und Wochenenddienste selbst schließen nur wenige aus. Entscheidend ist, ob der Plan hält, was er verspricht. Das deckt sich mit der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2021: Ein Zehntel der Beschäftigten berichtet von häufigen betriebsbedingten Änderungen der Arbeitszeit; 61 Prozent von ihnen erfahren davon in der Regel erst am selben Tag oder am Vortag. Beschäftigte mit häufigen Änderungen schätzen ihre Gesundheit seltener als gut oder sehr gut ein (59 gegenüber 71 Prozent). In versorgungsrelevanten Berufen sind häufige kurzfristige Änderungen doppelt so verbreitet wie in den übrigen (16 gegenüber 8 Prozent).

Dazu passt die allgemeine Wechselbereitschaft: Im Gallup Engagement Index Deutschland 2025 (Befragung von 1.700 Beschäftigten vom 17. November bis 20. Dezember 2025) gaben 56 Prozent an, mindestens noch ein Jahr bei ihrem Arbeitgeber bleiben zu wollen; 12 Prozent waren aktiv auf Jobsuche. Das Institut der deutschen Wirtschaft weist in seinem Report von 2025 allerdings darauf hin, dass die gemessene Fluktuation keinen Aufwärtstrend zeigt – Wechselabsicht und tatsächlicher Wechsel sind zweierlei.

Warum ist der Dienstplan ein Hebel gegen Fluktuation?

Weil die Arbeitszeit im Schichtbetrieb nicht nebenbei geregelt wird, sondern jeden Monat neu – und jede Planentscheidung das Privatleben der Beschäftigten direkt berührt. Fünf Stellschrauben liegen in der Hand der Planung:

Fünf Dienstplan-Hebel gegen Fluktuation
HebelWas er bewirktMessbar im Dienstplan über
PlanbarkeitFreizeit, Kinderbetreuung und Nebentermine lassen sich verlässlich organisierenVorlauf zwischen Veröffentlichung und erstem Plantag
Wenige kurzfristige Änderungender veröffentlichte Plan bleibt verbindlich; Einspringen ist Ausnahme, nicht RegelÄnderungen und Einspringen aus dem Frei je Person und Monat
Wunschdienste und VerfügbarkeitenBeschäftigte können ihre Arbeitszeit mitgestalten, statt sie nur zugeteilt zu bekommenAnteil erfüllter Wünsche je Person
Faire Verteilung von Wochenend-, Feiertags- und NachtdienstenBelastung ist nachvollziehbar verteilt, niemand trägt dauerhaft die unbeliebten DiensteWochenend-, Feiertags- und Nachtdienste je Person im Vergleich zum Teamschnitt
Überlastung früh erkennenMehrarbeit wird ausgeglichen, bevor sie zur Kündigungsabsicht wirdÜberstundensaldo, Dienste in Folge, verkürzte Ruhezeiten

Eigene Einordnung der Redaktion. Die Kennzahlen lassen sich aus Dienstplan und Zeiterfassung auslesen, Vergleichswerte liefert der eigene Betrieb.

Planbarkeit. Je früher ein Plan steht, desto eher lässt sich das Leben darum herum organisieren. Ein fester Veröffentlichungstermin, etwa vier Wochen vor Monatsbeginn, ist für viele Teams eine erreichbare Größe. Was danach geändert werden darf und mit welcher Zustimmung, beschreibt der Beitrag Kurzfristige Dienstplanänderung.

Kurzfristige Änderungen und Einspringen. Der häufigste Grund für Änderungen sind Ausfälle. Wer keinen Puffer eingeplant hat, kann sie nur über das Frei anderer auffangen – das trifft immer wieder dieselben, besonders die Zuverlässigen. Ein Springer-Pool mit klaren Meldewegen und eine realistische Personalbedarfsrechnung mit Ausfallfaktor nehmen diesen Druck aus dem Team.

Wunschdienste. Mitgestaltung senkt den Eindruck, der Plan werde über die Köpfe hinweg gemacht. Wichtig sind feste Regeln: Abgabefrist, Zahl der Wünsche je Person, Vorrang bei Konflikten. Wie sich das einführen lässt, zeigt der Beitrag Wunschdienste und Verfügbarkeiten.

Faire Verteilung. Nicht der einzelne Wochenend- oder Nachtdienst führt zur Kündigung, sondern das Gefühl, dauerhaft mehr davon zu tragen als andere. Transparente Zählung und Rotation helfen: siehe Wochenend- und Feiertagsrotation sowie Nachtschichten fair planen.

Überlastung. Wachsende Überstundensalden, viele Dienste in Folge und verkürzte Ruhezeiten sind die Vorstufe vieler Kündigungen. Spätestens eine schriftliche Überlastungsanzeige muss in der Planung Folgen haben; besser ist es, auf die Kennzahlen zu reagieren, bevor sie gestellt wird.

Was kostet Fluktuation?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht. Häufig zitierte Angaben wie „ein halbes Jahresgehalt“ oder „bis zum doppelten Jahresgehalt“ je Abgang stammen überwiegend aus Beraterschätzungen ohne offengelegte Datenbasis und lassen sich nicht auf einen bestimmten Betrieb übertragen. Belastbar ist nur eine Rechnung mit eigenen Zahlen. Die folgenden Kostenblöcke gehören hinein:

Kostenblöcke eines Abgangs im Schichtbetrieb
KostenblockWas dazugehörtDatenquelle im Betrieb
VakanzMehrarbeitszuschläge, Einspringprämien, Leih- oder Honorarkräfte, im Extremfall reduzierte LeistungLohnabrechnung, Stundenkonten, Rechnungen
WiederbesetzungStellenanzeigen, Vermittlungshonorare, Zeit für Auswahl und GesprächeRechnungen, Zeitaufwand der Führungskräfte
EinarbeitungArbeitszeit der Bezugsperson, Doppelbesetzungen, Schulungen und UnterweisungenDienstplan (Doppelbesetzungen), Schulungsnachweise
Anlaufphasegeringere Einsetzbarkeit in den ersten Monaten, etwa keine allein verantworteten NachtdiensteDienstplan, Qualifikationsmatrix
Folgewirkung im Teamzusätzliche Belastung der Verbleibenden, höheres Risiko weiterer AbgängeÜberstundensalden, Einspringen aus dem Frei, Krankenquote

Eigene Systematik der Redaktion. Die Summe je Abgang ist betriebsindividuell; für eine Hochrechnung wird sie mit der Zahl der jährlichen Abgänge multipliziert.

Gerade im Schichtbetrieb wird der erste Block regelmäßig unterschätzt, weil die Vakanz nicht als Kostenstelle auftaucht, sondern in Zuschlägen und Überstunden des Teams verschwindet. Die Zahlen dafür stehen in Dienstplan und Zeiterfassung.

Fluktuation senken: Maßnahmen in acht Schritten

  1. Definition festlegen. Eine Formel, eine Abgangsdefinition, ein Zeitraum – und die bereinigte Rate sowie die Frühfluktuation als feste Zusatzwerte.
  2. Nach Teams auswerten. Die Gesamtzahl verdeckt Brennpunkte. Fluktuation je Team, Schichtsystem und Beschäftigtengruppe (Vollzeit, Teilzeit, Minijob) zeigt, wo anzusetzen ist.
  3. Gründe erheben. Austrittsgespräche strukturiert führen und die Antworten nach festen Kategorien auswerten, darunter ausdrücklich Arbeitszeit und Dienstplan.
  4. Veröffentlichungsfrist für den Dienstplan einführen. Ein verbindlicher Termin, ab dem der Plan steht, und eine Regel, wer danach wie ändern darf.
  5. Ausfallmanagement aufbauen. Reserve im Personalbedarf, Springer oder Poolkräfte und eine Einspring-Reihenfolge, die nicht immer dieselben trifft.
  6. Wünsche und Fairness sichtbar machen. Wunschdienste mit festen Regeln, dazu eine für das Team nachvollziehbare Zählung von Wochenend-, Feiertags- und Nachtdiensten.
  7. Einarbeitung im Plan verankern. Bezugsperson in denselben Diensten, keine überdurchschnittliche Zahl unbeliebter Dienste für Neue, Feedbackgespräch vor Ende der Probezeit.
  8. Frühindikatoren monatlich prüfen. Überstundensalden, Einspringen aus dem Frei, Änderungen nach Veröffentlichung, verkürzte Ruhezeiten – auf Teamebene, mit klarer Zuständigkeit für Gegenmaßnahmen.

Gibt es einen Betriebsrat, sind die Grundsätze der Dienstplanung – Veröffentlichungsfristen, Rotationsregeln, Einspringregelungen – nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG mitbestimmt, Auswertungen per Software nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Einzelheiten beschreibt der Beitrag Dienstplan und Betriebsrat. Auswertungen zu Fluktuation und Frühindikatoren sollten möglichst auf Teamebene erfolgen, nicht als Leistungskontrolle einzelner Personen.

Fluktuationskennzahlen mit Aplano auswerten

Aplano ist eine Cloud-Software für Dienstplanung, Zeiterfassung und Mitarbeiterkommunikation. Für die Hebel aus diesem Beitrag sind vor allem Schichttausch und Benachrichtigungen bei Planänderungen (ab Basic, 2,00 € je Mitarbeiter und Monat), offene Schichten mit Schichtbewerbungen, Zeiterfassung mit Stundenkonten sowie Auswertungen und Exporte (Pro, 4,50 €) relevant; ArbZG-Hinweise zu Pausen- und Ruhezeiten zeigen Konflikte bereits beim Planen. Getestet wird 14 Tage mit dem Pro-Umfang ohne Kreditkarte, das Abonnement ist monatlich kündbar. Auf Capterra wird Aplano mit 4,8 von 5 bei 113 Bewertungen geführt, auf OMR Reviews mit 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen, Stand Juli 2026. Die Fluktuationsrate selbst rechnet die Personalabteilung; Dienstplan und Zeiterfassung liefern die Frühindikatoren. Weitere Lösungen vergleicht der Software-Vergleich.

Hinweis zur Interpretation

Eine niedrige Fluktuationsrate ist nicht automatisch ein gutes Zeichen. In unsicheren Arbeitsmarktphasen bleiben auch unzufriedene Beschäftigte – das Institut der deutschen Wirtschaft führt den Rückgang des Fluktuationskoeffizienten 2023 ausdrücklich auch auf die Zurückhaltung von Beschäftigten zurück, in unsicheren Zeiten zu wechseln. Überstundensalden und Einspringhäufigkeit zeigen Belastung oft früher als die Kündigungszahl.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Fluktuationsrate?

Am gebräuchlichsten ist die BDA-Formel: arbeitnehmerseitige Abgänge im Zeitraum geteilt durch den durchschnittlichen Personalbestand, mal 100. Der durchschnittliche Bestand ist (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2. Beispiel: 10 Eigenkündigungen bei 80 Beschäftigten am Jahresanfang und 82 am Jahresende ergeben 10 ÷ 81 × 100 = 12,3 Prozent. Die Schlüter-Formel teilt stattdessen durch Anfangsbestand plus Zugänge; die einfache Formel durch den Anfangsbestand.

Was ist der Unterschied zwischen BDA-Formel und Schlüter-Formel?

Beide setzen die Abgänge eines Zeitraums ins Verhältnis zu einem Personalbestand, unterscheiden sich aber im Nenner. Die BDA-Formel nutzt den durchschnittlichen Bestand aus Anfangs- und Endbestand, die Schlüter-Formel die Summe aus Anfangsbestand und allen Zugängen im Zeitraum. Weil der Schlüter-Nenner alle Personen enthält, die im Zeitraum überhaupt hätten gehen können, fällt das Ergebnis bei vielen Neueinstellungen niedriger aus. Entscheidend ist, eine Formel festzulegen und dabei zu bleiben.

Was ist Frühfluktuation?

Frühfluktuation bezeichnet Abgänge kurz nach dem Eintritt, meist innerhalb der Probezeit oder der ersten sechs bzw. zwölf Monate. Gerechnet wird sie als Anteil der Neueingestellten einer Eintrittskohorte, die innerhalb dieser Frist wieder ausscheiden. Sie ist der direkteste Indikator für Probleme bei Auswahl, Einarbeitung und den ersten Dienstplänen neuer Beschäftigter.

Welche Fluktuationsrate ist normal?

Einen allgemeingültigen Normalwert gibt es nicht, weil Branche, Befristungsanteil und Saisonalität die Werte stark prägen. Der Fluktuationskoeffizient der Bundesagentur für Arbeit, der Zu- und Abgänge zusammen misst, liegt gesamtwirtschaftlich bei rund 30 Prozent, im Gastgewerbe bei 62,1 und im Gesundheitswesen bei 23,0 (Werte laut IW-Report 2025). Er ist mit einer betrieblichen Abgangsquote nicht direkt vergleichbar. Aussagekräftiger ist der Vergleich des eigenen Betriebs über mehrere Jahre und zwischen eigenen Teams.

Zählen Renteneintritte und Befristungsende zur Fluktuation?

In der weiten Definition ja: Alle Abgänge gehen in die Rate ein. Für die Steuerung empfiehlt sich zusätzlich eine bereinigte Rate, die nur arbeitnehmerseitige Kündigungen zählt, denn nur diese lassen sich über Arbeitsbedingungen beeinflussen. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert die Fluktuationsrate nach der BDA-Formel über mitarbeiterseitige Abgänge im Verhältnis zum durchschnittlichen Personalbestand.

Wie kann der Dienstplan die Fluktuation senken?

Über fünf Hebel: früh veröffentlichte und danach verlässliche Pläne, wenige kurzfristige Änderungen und kein Einspringen aus dem Frei als Regelfall, berücksichtigte Wunschdienste und Verfügbarkeiten, eine nachvollziehbar faire Verteilung von Wochenend-, Feiertags- und Nachtdiensten sowie frühe Reaktion auf Überlastungssignale wie wachsende Überstundensalden. In der bundesweiten Befragung „Ich pflege wieder, wenn …“ bewerteten 89,1 Prozent der befragten Pflegekräfte verbindliche Dienstpläne als wichtig oder ganz wichtig.

Über die Autorin: Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Quellen

  1. Gabler Wirtschaftslexikon – Fluktuation (Definition und Fluktuationsrate nach BDA-Formel): wirtschaftslexikon.gabler.de
  2. Hammermann, A.: Arbeitsmotivation und Arbeitgeberbindung in Deutschland, IW-Report, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, 28.04.2025 (Fluktuationskoeffizient, Branchenwerte, Dauer beendeter Beschäftigungsverhältnisse 2019–2023 auf Basis der BA-Statistik): iwkoeln.de
  3. Auffenberg, J. u. a.: „Ich pflege wieder, wenn …“ – Potenzialanalyse zur Berufsrückkehr und Arbeitszeitaufstockung von Pflegefachkräften, Kurzfassung, Arbeitnehmerkammer Bremen / Institut Arbeit und Technik / Arbeitskammer des Saarlandes, April 2022: arbeitnehmerkammer.de
  4. BAuA: Arbeitszeitreport Deutschland – Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2021, Dortmund 2022 (Kap. 5.3 und Tab. 11.2): doi.org/10.21934/baua:bericht20221103
  5. Gallup: Engagement Index Deutschland 2025 (Befragung 17.11.–20.12.2025, n = 1.700): gallup.com
  6. § 622 BGB – Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen (Abs. 3: Probezeit): gesetze-im-internet.de · § 1 KSchG – Sozial ungerechtfertigte Kündigungen (Wartezeit): gesetze-im-internet.de
  7. § 87 BetrVG – Mitbestimmungsrechte (Abs. 1 Nr. 2 und Nr. 6): gesetze-im-internet.de
  8. Aplano – Funktionen und Tarife: aplano.de/preise