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Schicht-Lexikon

Mindestbesetzung

Wie viele Personen müssen mindestens da sein? Definition, Berechnung und rechtliche Einordnung der Mindestbesetzung im Dienstplan.

Aktualisiert am 4. August 2026·Redaktion

Die Mindestbesetzung ist die kleinste zulässige Zahl an Mitarbeitenden – meist je Qualifikation definiert –, die eine Schicht oder ein Zeitfenster besetzen müssen, damit Betrieb, Sicherheit oder Versorgung gewährleistet bleiben. Sie ist die harte Untergrenze jedes Dienstplans: Kein Tausch, kein Urlaub und keine Umplanung darf sie unterschreiten.

Mindestbesetzung in der Praxis

Wie die Untergrenze aussieht, hängt von der Branche ab: In der Pflege geht es um eine ausreichende Zahl an Fachkräften je Schicht und Wohnbereich, in der Gastronomie um die Besetzung von Küche und Service zu Stoßzeiten, im Einzelhandel um Kasse und Fläche während der Öffnungszeiten. Definiert wird die Mindestbesetzung sinnvollerweise nicht nur als Kopfzahl, sondern je Qualifikation – zwei Personen helfen wenig, wenn keine davon die nötige Qualifikation besitzt.

In der Planung wirkt die Mindestbesetzung in zwei Richtungen. Vorwärts ist sie die Grundlage jeder Besetzungsregel und damit automatischer Planvorschläge. Rückwärts begrenzt sie alles, was den Plan nachträglich verändert: Urlaubsfreigaben, Schichttausche und kurzfristige Ausfälle müssen stets gegen die Untergrenze geprüft werden – wird sie gerissen, greift das Ausfallmanagement mit Springern und offenen Schichten.

Rechtlicher Rahmen

Eine allgemeine gesetzliche Mindestbesetzung für alle Branchen gibt es nicht. Branchenspezifische Vorgaben existieren aber durchaus: In der Langzeitpflege legt die Personalbemessung nach § 113c SGB XI (PeBeM) fest, wie viel Personal welcher Qualifikationsniveaus eine Einrichtung vorhalten muss – seit dem 1.1.2026 ist das Verfahren in vollstationären Einrichtungen vollständig anzuwenden. In Betrieben mit Betriebsrat gehören Besetzungsstandards zu den Dienstplan-Grundsätzen, die der Mitbestimmung nach § 87 BetrVG unterliegen. Und wer Unterbesetzung dauerhaft mit Mehrarbeit kompensiert, stößt an die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes: Höchstarbeitszeit (§ 3 ArbZG) und Ruhezeiten (§ 5 ArbZG) lassen sich nicht wegplanen.

Faustregel für die Berechnung

Vom Bedarf zur Kopfzahl in drei Schritten: Besetzungsstunden je Woche ermitteln, durch die durchschnittlichen Vertragsstunden teilen – das ergibt die Vollzeitäquivalente – und darauf einen Ausfallpuffer von rund 20 Prozent für Urlaub, Krankheit und Schulungen aufschlagen. Wer ohne Puffer plant, produziert systematisch Überstunden und reißt die Mindestbesetzung beim ersten Krankheitsfall.

Mindestbesetzung in der Dienstplan-Software

Dienstplan-Software hinterlegt Mindestbesetzungen als Regeln je Schicht und Qualifikation und zeigt Unterdeckungen direkt im Planer an – bevor der Plan veröffentlicht wird. Aplano etwa bildet Qualifikationen ab und unterstützt die Besetzung kurzfristiger Lücken über offene Schichten, auf die sich Mitarbeiter per App bewerben.

Häufige Fragen zu Mindestbesetzung

Ist eine Mindestbesetzung gesetzlich vorgeschrieben?

Nicht allgemein. Es gibt keine branchenübergreifende gesetzliche Mindestbesetzung – wohl aber branchenspezifische Vorgaben wie die Personalbemessung nach § 113c SGB XI in der Langzeitpflege. In Betrieben mit Betriebsrat unterliegen Besetzungsstandards zudem der Mitbestimmung nach § 87 BetrVG.

Wie berechnet man die Mindestbesetzung?

Zuerst den Bedarf bestimmen: Besetzungsstunden je Zeitraum aus Betriebszeiten und Auslastung ableiten, je Qualifikation differenzieren. Für die Personalausstattung dahinter gilt die Faustregel: Besetzungsstunden durch Vertragsstunden teilen und rund 20 Prozent Ausfallpuffer für Urlaub, Krankheit und Schulungen aufschlagen.

Was ist der Unterschied zwischen Mindestbesetzung und Besetzungsregel?

Die Mindestbesetzung ist die inhaltliche Untergrenze – etwa zwei Personen, davon eine Fachkraft. Die Besetzungsregel ist ihre technische Umsetzung in der Planungssoftware: eine hinterlegte Vorgabe, gegen die jeder Plan und jede Änderung automatisch geprüft wird.

Was passiert, wenn die Mindestbesetzung unterschritten wird?

Dann greift das Ausfallmanagement: Springer einsetzen, den Dienst als offene Schicht ausschreiben oder umplanen. Wichtig ist, dass auch die Vertretung die rechtlichen Grenzen einhält – Ruhezeiten und Höchstarbeitszeit gelten auch im Engpass.

Weiterführend: Urlaubsplanung im Schichtbetrieb · PeBeM in der Pflege · Dienstplan Pflege